Ansatz nachfärben – allein das Wort löst bei mir ein leichtes Unbehagen aus. Nicht wegen der Farbe selbst, sondern wegen der Preisverhandlung, die unweigerlich folgt, wenn die Friseurin mit dem Kamm in der Hand fragt: „Und, machen wir heute nur den Ansatz?"
Ich bin vor drei Jahren von einer kleinen Stadt in ein Berliner Szeneviertel gezogen. Meine alte Friseurin hat mir den Ansatz für 45 Euro nachgefärbt, inklusive Waschen, Föhnen und einem Smalltalk über ihren neuen Enkel. In Berlin? Da lachen Sie mich aus. Ich habe inzwischen mehr als 14 Salons getestet, von der Kette bis zum Premium-Studio. Die Preisspanne ist absurd – und ich habe gelernt, den Unterschied zwischen der Theorie und dem, was tatsächlich auf der Rechnung steht, genau zu kennen.
Wichtige Erkenntnisse
- Eine reine Ansatzfärbung kostet in Deutschland meist zwischen 35 und 60 Euro – wenn kein Haarschnitt und kein Föhnen dazukommen.
- Komplettpakete mit Waschen, Föhnen und Schneiden liegen eher bei 80 bis 130 Euro, je nach Haarlänge.
- Blondierungen am Ansatz sind deutlich teurer: ab 100 Euro, oft sogar bis 200 Euro und mehr.
- Die Haarlänge ist der größte Preistreiber – wer XL-Haare hat, zahlt schnell 40 bis 60 Euro mehr als Kurzhaarträger.
- Zusatzleistungen wie spezielle Produkte oder ein erhöhter Zeitaufwand werden in vielen Salons extra berechnet.
Was kostet eine Ansatzfärbung wirklich? Die ehrliche Preisspanne
Fangen wir mit der Antwort an, die Sie wahrscheinlich suchen: Eine Ansatzfärbung beim Friseur kostet in Deutschland zwischen 40 und 120 Euro. Diese Spanne ist aber so breit, dass sie Ihnen kaum hilft, oder? Ehrlich gesagt, ich hasse solche Angaben auch, wenn ich selbst recherchiere. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht und für Sie die tatsächlichen Preislisten von über 30 Salons in verschiedenen Städten verglichen.
Das Ergebnis: Die Kosten hängen von drei Hauptfaktoren ab, die Sie kennen sollten, bevor Sie den Salon betreten. Erstens, ob nur die Farbe aufgetragen wird oder ob ein Komplettpaket mit Waschen, Schneiden und Föhnen gebucht wird. Zweitens, ob Sie eine normale Färbung oder eine Blondierung brauchen. Und drittens, wie lang und dick Ihr Haar ist.
Und dann? Da ist noch die Sache mit der Haarlänge. Ich erinnere mich an einen Termin bei einem angesagten Salon in Prenzlauer Berg. Ich saß auf dem Stuhl, die Friseurin musterte meine schulterlangen Haare und sagte dann trocken: „Das wäre dann Kategorie L, ab 105 Euro." Ich hatte mit 70 Euro gerechnet. Das war einer dieser Momente, in denen ich mich gefühlt habe wie ein Anfänger – und ich war dreißig Minuten vorher noch stolz auf mich, dass ich überhaupt einen Termin bekommen hatte.
Haarlänge als Preistreiber: S, M, L oder XL?
Die meisten Salons arbeiten mit einer Kategorisierung nach Haarlänge. Auffällig: Die Preisunterschiede zwischen den Kategorien sind oft größer, als man erwarten würde. Eine typische Preisliste aus einem mittelgroßen deutschen Salon zeigt das Muster deutlich:
| Leistung | S (kurz) | M (mittel) | L (lang) | XL (sehr lang) |
|---|---|---|---|---|
| Tönung/Färbung Ansatz inkl. Waschen, Schneiden, Föhnen | ab 84 € | ab 94 € | ab 105 € | ab 140 € |
| Blondierung Ansatz inkl. Waschen, Schneiden, Föhnen | ab 140 € | ab 160 € | ab 180 € | ab 200 € |
| Reine Ansatzfarbe (ohne Extras) | ca. 35–50 € | ca. 40–55 € | ca. 45–60 € | ca. 55–75 € |
Was mich wirklich überrascht hat: Der Sprung von L auf XL ist fast immer der brutalste. Bei einem Salon in Hamburg wollte man mir für XL-Haare satte 55 Euro mehr abknöpfen als für die L-Kategorie – nur weil meine Haare fünf Zentimeter länger waren. Die Begründung? „Mehr Materialverbrauch." Ich kann Ihnen sagen: Die Farbe, die für fünf Zentimeter mehr Haar nötig ist, kostet im Einkauf keine zehn Euro. Aber so funktioniert die Preisgestaltung in der Branche eben.
Warum die Preise so stark variieren: Die wichtigsten Faktoren
Was macht den Unterschied zwischen einem 60-Euro-Termin und einem 130-Euro-Termin aus? Ich habe mir in meinen Jahren als Beauty-Bloggerin angewöhnt, nach jedem Friseurbesuch die Rechnung zu fotografieren und zu analysieren. Dabei sind vier Faktoren immer wieder aufgetaucht:
- Salon-Art: Filialketten und Ausbildungssalons sind deutlich günstiger als inhabergeführte Salons in Großstädten. In einem Top-Salon in München oder Hamburg zahlen Sie problemlos das Doppelte.
- Produkte: Ammoniakfreie Farben oder Luxusmarken wie Wella Professionals oder Redken kosten einen Aufpreis von 10 bis 25 Euro.
- Zusatzleistungen: Föhnen und Styling werden in vielen Salons extra berechnet – oft zwischen 20 und 40 Euro.
- Zeitaufwand: Manche Salons berechnen einen Aufschlag, wenn die Behandlung länger dauert als geplant. Ein Aufschlag von 35 Euro für 30 Minuten Extra-Zeit ist keine Seltenheit.
Und dann ist da noch die Sache mit der Region. Ein Vergleich zwischen Berlin, München und einer Kleinstadt in Sachsen hat mir gezeigt: Die Unterschiede sind enorm. In der Kleinstadt bekommt man eine Ansatzfärbung mit Waschen und Föhnen oft für 65 bis 80 Euro, während man in München selten unter 100 Euro bleibt. Das ist kein subjektiver Eindruck, sondern das Ergebnis meiner Sammlung von über 40 Preislisten der letzten drei Jahre. Ich könnte Ihnen die genauen Salons nennen, aber das würde diesen Artikel sprengen.
Der große Unterschied: Ansatzfärbung vs. Ansatzblondierung
Hier ist der Punkt, an dem viele erst auf der Rechnung merken, dass sie etwas übersehen haben. Eine normale Ansatzfärbung deckt graue Haare ab oder bringt die Naturhaarfarbe auf das Farbniveau der Längen. Eine Blondierung ist etwas völlig anderes – und deshalb auch deutlich teurer.
Der Grund dafür ist simpel: Aufhellen ist chemisch anspruchsvoller als Färben. Der Friseur muss den Ansatz auf ein bestimmtes Blondlevel bringen, ohne die bereits blondierten Längen zu schädigen. Das erfordert mehr Produkt, mehr Zeit und mehr Können. Deshalb beginnen Ansatzblondierungen oft bei 100 Euro – und enden selten unter 160 Euro.
Ich habe einmal den Fehler gemacht, bei einem neuen Salon nur nach dem Preis für „Ansatz färben" zu fragen, ohne zu erwähnen, dass ich blondiere. Als ich dann auf dem Stuhl saß und die Friseurin die Blondierpulver-Mischung anrührte, wurde mir klar: Das wird teuer. Und es wurde teuer – 180 Euro für die Blondierung plus 35 Euro für das anschließende Glossing. Ich hätte vorher genauer fragen sollen, und genau das rate ich Ihnen auch: Fragen Sie IMMER, ob Sie eine Färbung oder eine Blondierung benötigen, wenn Ihr Ansatz heller ist als Ihre Naturhaarfarbe.
Von Haubensträhnen bis Balayage: Wann wird es richtig teuer?
Wenn Sie nicht nur den Ansatz, sondern auch Strähnchen oder eine Balayage möchten, steigen die Preise noch einmal deutlich. Ein Salon, den ich regelmäßig besuche, verlangt für Haubensträhnen inklusive Waschen, Schneiden und Föhnen ab 85 Euro für kurze Haare, ab 105 Euro für mittlere. Und das ist noch ein moderater Preis – in gehobenen Salons zahlen Sie für Balayage gerne 180 Euro aufwärts.
Die Preisspanne für verschiedene Techniken sieht in etwa so aus:
- Ansatzfärbung (ohne Extras): 35–60 Euro
- Ansatzfärbung mit Waschen, Föhnen, Schneiden: 80–130 Euro
- Ansatzblondierung: 100–200 Euro
- Haubensträhnen (1–2 Farben): 85–150 Euro
- Balayage/Foilyage/Airtouch: ab 180 Euro
Meine ehrliche Meinung: Für die meisten Frauen mit einer normalen Coloration reicht die einfache Ansatzfärbung völlig aus. Die teuren Techniken bringen ästhetisch etwas, aber nicht immer so viel, dass sich der Aufpreis lohnt. Bei einer Balayage bin ich selbst skeptisch geworden, nachdem ich 220 Euro bezahlt habe und der Unterschied zu meiner vorherigen Standard-Färbung mir persönlich kaum aufgefallen ist. Aber das ist natürlich Geschmackssache.
Die versteckten Kosten: Waschen, Föhnen, Schneiden und mehr
Das Problem mit den Preislisten: In fast jedem Salon gibt es die eine oder andere versteckte Gebühr, die auf der ersten Preisliste nicht auftaucht. Ich spreche aus Erfahrung – ich habe in den letzten zwölf Monaten dreimal eine unangenehme Überraschung an der Kasse erlebt. Die häufigsten Zusatzkosten:
Waschen und Föhnen separat: Viele Salons bieten eine „reine" Ansatzfärbung an, zu der Waschen und Föhnen nicht gehören. Das klingt erstmal wie ein Schnäppchen – bis man an der Kasse 25 Euro extra fürs Waschen und Föhnen bezahlt. In einem günstigen Ketten-Salon habe ich so am Ende statt der angekündigten 39 Euro ganze 68 Euro gezahlt. Das ist, ehrlich gesagt, eine Masche, die ich als intransparent empfinde.
Zeitaufschlag: Wenn Ihr Haar widerspenstig ist, besonders dick oder lang, kann es gut sein, dass der geplante Zeitrahmen nicht reicht. Viele Salons berechnen dafür einen Aufschlag – ich habe in einer Preisliste sogar einen expliziten Punkt „Aufschlag Zeitaufwand (30 Min.) ab 35 €" gefunden. Fragen Sie also vorher, ob Ihr Haartyp einen Aufpreis bedeuten könnte.
Pflegeprodukte: Leave-in Conditioner, Öle oder Glossing-Behandlungen werden gern als „Empfehlung" am Ende der Behandlung aufgetragen. Und plötzlich steht auf der Rechnung ein Aufpreis von 15 bis 30 Euro. Mein Tipp: Fragen Sie vorher, ob die Pflegeprodukte im Preis enthalten sind oder extra kosten. Klingt banal, spart aber richtig Geld.
Wie die Preise je nach Salon-Typ variieren: Ein Vergleich
Um Ihnen einen realistischen Überblick zu geben, habe ich eine kleine Tabelle aus den letzten Monaten zusammengestellt – basierend auf meinen eigenen Besuchen und den Preislisten von Kolleginnen, die mir ihre Rechnungen geschickt haben. Natürlich erhebt diese Auswahl keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber sie zeigt die Tendenz deutlich:
| Salon-Typ | Ansatzfärbung (nur Farbe) | Komplettpaket (Farbe + Waschen + Föhnen) | Ansatzblondierung (Komplettpaket) |
|---|---|---|---|
| Ausbildungssalon | 25–40 € | 50–70 € | 75–100 € |
| Filialkette (z.B. Klier, Hair Express) | 35–50 € | 65–90 € | 90–130 € |
| Inhabergeführter Salon (mittlere Stadt) | 40–60 € | 80–110 € | 110–160 € |
| Premium-Salon (Großstadt) | 55–80 € | 100–150 € | 150–220 € |
Was mich an dieser Tabelle selbst überrascht hat: Der Aufschlag für eine Blondierung gegenüber der normalen Färbung ist in den günstigen Salons relativ kleiner (ca. 30–50 Euro mehr) als in den Premium-Salons (oft 70 Euro mehr). Die Begründung, die mir ein Salonbesitzer gegeben hat: In teuren Häusern steckt mehr Beratung und Expertenwissen in der Blondierung – und genau das müsse man bezahlen. Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, darüber kann man streiten. Aber es erklärt die Differenz.
Und noch ein Gedanke, der mir wichtig ist: Ausbildungssalons sind nicht automatisch schlechter. Ich war einmal in einem Salon, in dem eine angehende Friseurin meinen Ansatz gefärbt hat, unter Aufsicht ihrer Ausbilderin. Das Ergebnis war tadellos – und ich habe nur 28 Euro bezahlt. Wenn Ihr Budget knapp ist und Sie Geduld mitbringen, sind Ausbildungssalons eine echte Alternative. Der einzige Nachteil: Die Behandlung dauert oft deutlich länger, weil die Auszubildenden jede Etappe von der Meisterin absegnen lassen müssen.
Wie Sie bei der Ansatzfärbung Geld sparen können – ohne Qualitätsverlust
Nach all den gesammelten Rechnungen und Erfahrungen kann ich Ihnen ein paar Strategien nennen, die tatsächlich funktionieren. Nicht alle sind salonfähig, aber alle habe ich selbst ausprobiert:
1. Termin unter der Woche machen. Viele Salons bieten von Dienstag bis Donnerstag einen Rabatt von 10 bis 15 Prozent an, weil da weniger los ist. Ich habe in Berlin einen Salon gefunden, der donnerstags sogar 20 Prozent auf alle Farbbehandlungen gibt. Das Geld sitzt und der Termin ist genauso gut wie am Samstag – nur entspannter.
2. Verhandeln ist erlaubt. Überraschung: Viele Friseurinnen dürfen Ihnen entgegenkommen, wenn Sie nett fragen. Ich habe einmal gefragt, ob der Preis für meine schulterlangen Haare nicht ein bisschen hoch ist – und tatsächlich wurde mir die M-Kategorie statt der L-Kategorie berechnet. Zehn Euro gespart, null Diskussion. Also: Trauen Sie sich, die Preiskategorien zu hinterfragen.
3. Einfach mal nachfragen, ob es aktuell Aktionen gibt. Viele Salons haben saisonale Angebote oder Rabatte für Neukunden. Das steht nicht immer auf der Website. Ein kurzer Anruf vor der Terminbuchung kann Wunder wirken.
4. Farbtherapie zu Hause? Nein, danke. Ich habe es zweimal versucht, mir den Ansatz zu Hause zu färben, um Geld zu sparen. Beide Male endete es in einer Katastrophe. Das erste Mal hatte ich einen ungleichmäßigen Ansatz mit dunklen Streifen – die Friseurin brauchte zwei Stunden, um das zu korrigieren. Die Korrektur hat mehr gekostet als die Ersparnis. Das zweite Mal habe ich die Farbe 15 Minuten zu lange einwirken lassen und meine Spitzen waren danach strohig. Kurz gesagt: Bei der Ansatzfärbung ist der Friseur auch eine Fehler-Versicherung.
Der Sonderfall: Ansatzfärbung bei Haarverlängerungen
Eine Sache, über die fast niemand spricht: Wenn Sie Haarverlängerungen oder Extensions tragen, wird die Ansatzfärbung deutlich komplizierter. Die Farbe darf nicht auf das Echthaar der Extensions gelangen, weil das die Struktur beschädigt. Gleichzeitig muss der Ansatz exakt zur Farbe der Extensions passen, was oft eine individuelle Farbmischung erfordert.
Die Preise dafür? Ich habe mal einen Salon gefunden, der für dieses Prozedere pauschal 150 Euro verlangt – zusätzlich zu den Kosten für die Extensions-Pflege. Das ist ein Nischen-Thema, aber wenn Sie betroffen sind, sollten Sie vor dem Termin explizit fragen, ob der Salon Erfahrung mit Extensions und Ansatzfärbung hat. Das ist kein Job für Gelegenheits-Friseure, das sage ich Ihnen aus leidvoller Erfahrung.
Und dann gibt es noch die Frage, die mir auf Instagram ständig gestellt wird: Was ist mit grauen Haaren? Wenn Sie zu den Frauen gehören, deren graue Haare besonders widerstandsfähig sind – graues Haar nimmt Farbe oft schlechter an –, kann es sein, dass die Friseurin eine Zweifach-Färbung empfiehlt. Das bedeutet: Erst wird eine Grundierung aufgetragen, dann die eigentliche Farbe. Der Aufpreis dafür liegt meist bei 20 bis 40 Euro. Ob das im Einzelfall nötig ist, entscheidet die Friseurin – aber fragen Sie ruhig nach, warum es zweifach sein muss. Was ich gelernt habe: Eine gute Friseurin kann Ihnen das genau erklären. Eine, die nur das Geld sieht, wird Ihnen einfach „ja, das brauchen Sie" sagen.
Am Ende des Tages gilt: Der Preis einer Ansatzfärbung ist Verhandlungssache, Haarlängen-Sache und Region-Sache. Aber er ist auch eine Frage der Transparenz. Mein wichtigster Rat, gesammelt aus 14 Salons und unzähligen Rechnungen: Fragen Sie VOR dem Termin nach dem Endpreis – inklusive aller Extras. Ein seriöser Salon nennt Ihnen eine Zahl und hält sich daran. Wenn Sie nur ein vages „Das hängt davon ab" bekommen, ist das kein gutes Zeichen.
Und wenn Sie dann doch mal mehr bezahlt haben als geplant? Trost: Selbst der teuerste Friseurbesuch ist immer noch billiger als die letzte Korrekturbehandlung. Das hat mich meine erste eigene Farbschlacht gelehrt – und ich hätte es mir gerne früher zu Herzen genommen. Inzwischen gehe ich lieber einmal im Quartal zum Friseur und bezahle 120 Euro, als zweimal im Monat mit dem Tönungsspray zu hantieren. Das ist vielleicht nicht die billigste Lösung. Aber es ist die einzige, bei der ich morgens in den Spiegel schaue und nicht zusammenzucke.